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Brasilien spielt in der ersten Liga. Das gilt nicht nur in sportlicher Hinsicht für die brasilianischen Fußballer Raffael und Ronny, die zusammen mit Hertha BSC wieder Kurs auf die Bundesliga nehmen. Beide kamen am 14. April 2011 zum „Anstoß“ der Brasilien-Veranstaltung der IHK Berlin ins Ludwig Erhard Haus, um zusammen mit IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder sowie Brasiliens Botschafter, S.E. Vieira Vargas, auf das große wirtschaftliche Potential Brasiliens aufmerksam zu machen.
Gute Rahmenbedingungen
In seiner Eröffnungsrede lobte Jan Eder die guten ökonomischen Rahmenbedingungen, um die viele das Land beneiden: Wirtschaftliche Stabilität, eine breit gefächerte und dynamische Volkswirtschaft, sinkende Arbeitslosigkeit und wachsende Einkommen. Daher überrascht es auch nicht, dass Brasilien ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum aufweisen kann – von zuletzt 7,5% - und im vergangenen Jahr auf Platz 7 der Weltwirtschaft aufgerückt ist. Das Land gehört somit ganz klar zu den Spitzenreitern der Volkswirtschaften weltweit und bietet damit ein breites Spektrum an Geschäftschancen.
Infrastruktur wird ausgebaut - eine Chance für Berliner Unternehmen
Botschafter Vieira Vargas verwies insbesondere auf den Ausbau der Infrastruktur, der im ganzen Land zu einer Steigerung der Lebensqualität führen werde. Das gilt sicherlich auch, aber keineswegs nur, für die Projekte im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft 2014 oder der Olympiade 2016 in São Paulo. Allein im Vorfeld der WM2014 werden Investitionen in Höhe von 10 Mrd. Euro vor allem in den Ausbau der Verkehrswege, in Flughäfen und Hotels fließen werden. So sind allein 10.000 km neue Eisenbahnstrecken, darunter unter anderem eine 500 km lange Hochgeschwindigkeitsstrecke sowie 113 km neuer Metrostrecken, geplant. Gerade für die Berliner Wirtschaft mit ihrer Kompetenz in der Schienenverkehrstechnik, stellt Brasilien daher einen attraktiven Markt dar.
Kooperationen nehmen zu
Zunehmend interessant wird das Land auch für Kooperationen im Bereich von Forschung und Entwicklung. Dr. Bertram Heinze, Leiter des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH) in São Paulo, stellte im Rahmen eines aus Brasilien per Video live übertragenen Vortrags die sich daraus ergebenden Chancen für deutsche Unternehmen dar. Nach den USA, Großbritannien und Frankreich sei Deutschland Brasiliens viertwichtigster Partner, wobei davon auszugehen sei, dass die bilaterale Zusammenarbeit noch kräftig zunehmen werde. Die Ausbildungssituation in Brasilien bessere sich gerade erkennbar. So seien heute doppelt so viele Doktoranden an Universitäten eingeschrieben, als noch vor zehn Jahren. Die Anzahl der Studierenden in Masterstudiengängen habe sich im gleichen Zeitraum sogar mehr als verdoppelt. Dennoch geht Dr. Heinze davon aus, dass der Bedarf an Fachkräften und hierbei insbesondere an Ingenieuren mittelfristig bei weitem nicht mehr gedeckt werden könne.
Fachkräfte werden knapp
Diese Befürchtung teilt auch Andreas von Thun, Vorsitzender der Geschäftsführung Berliner Luft Gruppe GmbH, die seit zehn Jahren mit einem Tochterunternehmen in Brasilien vertreten ist. Er lobt zwar die hohe Motivation, über die brasilianische Arbeitnehmer seiner Erfahrung nach verfügen und die seiner Ansicht nach als eine der brasilianischen Tugenden angesehen werden kann, sieht andererseits aber, dass es dennoch häufig am erforderlichen Basiswissen der Mitarbeiter fehle. Vor allem auf der zweiten Führungsebene sei es schwierig, gute Mitarbeiter zu finden. Dennoch legt er großen Wert darauf, dass das Management des brasilianischen Tochterunternehmens der Berliner Luft bewusst mit Brasilianern besetzt sei und auch deshalb sehr erfolgreich arbeite.
Zusammenarbeit in Bildungsfragen angeregt
Letztendlich ähneln sich aber die Probleme von Brasilien und Deutschland: Beide sehen sich mit der Herausforderung Fachkräftesicherung konfrontiert, wenn auch aufgrund unterschiedlicher Ursachen. Deshalb bietet genau dieses Thema ein mögliches Feld der intensiveren Zusammenarbeit. „Wenn deutsche und brasilianische Unternehmen in Bildungsfragen zusammenarbeiten, können beide Seiten nur gewinnen“, sagte Oliver Parche, Referatsleiter Nord- und Lateinamerika beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).
IHK-Veranstaltung weckte Appetit auf Engagement in Brasilien
Das ganz überwiegend positive Bild von Brasilien, das die Referenten der Veranstaltung zeichneten, hat viele Teilnehmer dazu veranlasst ein wirtschaftliches Engagement in Brasilien ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Lutz Potempa beispielsweise, der im Auftrag eines Solarzellenherstellers aus Berlin kam, sieht nach der Veranstaltung jedenfalls „sehr große Möglichkeiten in diesem sonnigen Land“.
Dialog wird fortgesetzt
Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich für Brasilien interessieren, haben die Möglichkeit, den begonnenen Dialog in dem für Juni geplanten Mittagessen in kleiner Runde im Rahmen der IHK-Veranstaltungsreihe „Business meets Diplomacy“ fortzusetzen. Zudem kündigte Jan Eder an, dass die Lateinamerika-Konferenz der Deutschen Wirtschaft, die größte und wichtigste Veranstaltung dieser Art, die von den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft getragen wird, im Jahr 2012 erstmals in Berlin und vor allem im Ludwig Erhard Haus stattfinden wird. Für die Unternehmen bietet diese Veranstaltung eine weitere Chance, sich aus erster Hand zu informieren.
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