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IT-Wirtschaft (Dokument-Nr.: 21587)
BERLINER WIRTSCHAFT OKTOBER 2011
Geschäftsmodelle für die Zukunft
In der Hauptstadt leben Entrepreneure aus der digitalen Wirtschaft besonders eifrig vor, wie neue Ideen im Netz umgesetzt werden. Der Standort wird als Internet-Start-up-Metropole Europas anerkannt. Davon kann die gesamte Berliner Wirtschaft lernen.
© PA/DPA
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Zog mit seinem Unternehmen von Neuss nach Berlin: MyHammer-Chef Markus Berger-de León
Fast ein Viertel der Deutschen bucht Reisen über das Internet. TUI hat daher für den Online-Vertrieb die Tochter TUI Interactive am Stammsitz Hannover gegründet. Doch die Niedersachsen-Hauptstadt ist für TUIDeutschland-Chef Volker Böttcher nicht der richtige Standort, um das dynamische Geschäft weiterzuentwickeln. Böttcher will die Interactive-Tochter nach Berlin verlagern, denn dort sei eine Art Silicon Valley für E-Commerce entstanden. In Berlin gebe es „jede Menge Experten für das Internet-Geschäft“, erklärt Böttcher.
In der Hauptstadt nutzen längst viele Firmen das Potenzial der digitalen Wirtschaft – auch Star-Friseur Udo Walz. Er ließ Haarschnitte zum halben Preis über das Online-Rabattportal Groupon verkaufen. Über die Resonanz war der Coiffeur erfreut und überrascht zugleich: 1056 Mal wurde das Waschen-Schneiden-Föhnen-Paket über das Web bei Schnäppchenjägern untergebracht, die durch den Rabatt die Scheu vor dem Erstkontakt zum renommierten Salon verlieren sollten.
Groupon ist nur ein Beispiel dafür, was Berlins Internetwirtschaft zu leisten imstande ist. Neben dem Aufbau von Internet-Präsenzen kann sie Rabatte verteilen, Schuhe verkaufen, Handwerker vermitteln, Tische in Restaurants reservieren, Online-Spieler zueinander bringen und Mode-Clubs bilden. Sie bringt Sounds oder To-do-Listen ins Netz, ermöglicht die Suche auf Websites und vermisst die Körpermaße für passgenaue Textileinkäufe im Internet. „Mittlerweile“, so der Internet-Unternehmer Markus Berger-de León, „ist Berlin die Internet-Hauptstadt Europas.“ Nur London könne mithalten, wenn es darum geht, wo die meisten und besten neuen Geschäftsmodelle im Internet umgesetzt werden, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Handwerker-Portals MyHammer.
Berger-de León verweist dabei auf einen Beitrag des renommierten Bloggers Mike Butcher im Blog „Techcrunch“. „London und Berlin werden zu natürlichen Gravitationszentren der europäischen Technologie-Szene”, schreibt Butcher. Noch schmeichelhafter für die deutsche Hauptstadt ist die Standortentscheidung des Wissenschaftlerportals Researchgate. Das in Boston von einem Deutschen gegründete Unternehmen stand nach einer siebenstelligen Finanzierung von zwei bekannten Silicon-Valley-Kapitalgebern vor der Wahl, entweder in die kalifornische Internet-Hochburg oder aber nach Berlin zu ziehen. Das Rennen machte Berlin, auch weil der bekannte US-Investor Matt Cohler dafür plädierte.
Seitdem strotzt der Standort vor Selbstbewusstsein. Berlin hat alles, was die digitale Wirtschaft braucht – vor allem Arbeitskräfte. Zwar sind gute Leute überall knapp, aber in Berlin ist die Wahrscheinlichkeit, Menschen zu finden, mit denen Geschäft im Internet aufgebaut werden kann, deutlich größer als anderswo. Und weil die Lebenshaltungskosten deutlich billiger sind als beispielsweise in London, muss für Fachkräfte zudem deutlich weniger Geld ausgegeben werden. Gerade deshalb hat Investor Cohler Researchgate zum Umzug nach Berlin geraten.
Der Arbeitsmarkt hat auch Markus Berger-de León dazu bewogen, mit seinem Handwerkerportal von Neuss nach Berlin zu ziehen. „Hier gibt es nicht nur deutsche Internet-Spezialisten, sondern auch solche mit fremden Muttersprachen. Das ist extrem wichtig, um internationales Geschäft aufzubauen.“

