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BERLINER WIRTSCHAFT JULI/AUGUST 2011

Sonnenstrom aus der Batterie

Voigt-01 © Amin Akhtar Zoom  Alexander Voigt hat 2008 gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Clemens Triebel die Younicos AG gegründet. Die Firma entwickelt Speichersysteme und Netzlösungen für eine wirtschaftliche, sichere und stabile Stromversorgung aus regenerativen Energiequellen. 1997 war Voigt Mitgründer der Solon AG, die Solarmo­dule und Photovoltaik-Kraftwerke baut. Zwei Jahre später gründete er mit Part­nern den Solarzellen-Hersteller Q-Cells.


Alexander Voigt hat schon am Aufbau der Solarunternehmen Solon und Q-Cells mitgewirkt. Jetzt glaubt er an einen Riesenmarkt für Stromspeicher und will mit der Firma Younicos in Adlershof daran teilhaben.

Berliner Wirtschaft: Warum wollen Sie Batterien produzieren, ist der Markt jetzt interessanter als der für Solarmodule?
Alexander Voigt: Wir haben uns bei Younicos vorgenommen, diejenigen zu sein, die die erneuerbaren Energien in den Griff kriegen. Dazu gehört heute weitaus mehr als der Bau von Windturbinen und Solarmodulen. Wir benötigen dafür insbesondere auch Stromspeicher und vor allem eine erneuerbare Energiewirtschaft.

Welche Rolle will Younicos in diesem Markt spielen? Im Moment bauen Sie Lösungen für Inseln, haben Sie auch Ideen für Berlin?
Ich wurde natürlich manchmal viel lieber an Auftragen für Berlin arbeiten als für jeden Job zwölf Stunden mit dem Flugzeug unterwegs zu sein. Aber im Moment wollen wir vor allem die erneuerbaren Energien dort in den Markt bringen, wo sie ohne Subventionen konkurrenzfähig sind. Und das sind vor allem Inseln, und zwar nicht nur in geografischer Hinsicht, sondern auch technologisch. Beispielsweise in Kanada oder Afrika gibt es Tausende solcher Einsatzgebiete.

Was ist so speziell an diesen Inseln?
Die Stromgestehungskosten sind sehr hoch. Das ist überall der Fall, wo der Strom nicht in einem Verbundnetz erzeugt und verteilt wird. Oft wird der Strom mit Dieselgeneratoren produziert – so wie auf der Azoreninsel Graciosa. Der Diesel für die 4500 Einwohner wird per Schiff angeliefert. Die Kilowattstunde kostet mehr als 30 Cent. Wir bauen ein neues Erzeugungs- und Verteilsystem auf Basis von Wind- und Solarstrom sowie Speichertechnologien auf. Das wird am Ende billiger und hat zudem weitere Vorteile wie zum Beispiel stabilere Preise oder eine höhere Versorgungssicherheit.

Die Versorgungssicherheit ist bei Wind und Sonne aber doch gerade das Problem. Mit Stromspeichern wischen Sie das einfach weg?
Wir diskutieren viel zu oft nur über die Kosten der unterschiedlichen Stromversorgungssysteme und nicht über die Qualitäten. Bei den erneuerbaren Energien haben wir nicht das Transportrisiko, jedenfalls nicht wenn der Strom in der Region produziert wird. Beim Gas oder Öl kann der Hahn zugedreht werden, beim Windpark vor der Stadt nicht. Deswegen wäre es auch ein Fehler, allein auf Offshore-Windparks und Solar-Groskraftwerke in Südeuropa zu setzten. Dann hatten wir das Transportrisiko ja im Zeitalter der Erneuerbaren auch wieder.

Aber Berlin beispielweise hat weder die spanische Sonne noch den Nordsee-Wind. Wie soll die Stadt da wirtschaftlich mit erneuerbarem Strom aus regionaler Produktion versorgt werden?
Ich sage ja nicht, dass 80 Prozent der Versorgung aus der Region kommen müssen. Aber 30 oder 40 Prozent sollten das Ziel sein. Für dieses Drittel beseht dann kein Transportrisiko. Der Rest kann zum Beispiel von Offshore-Windparks kommen.

Oder aus Batterien, die bei Sturm und Sonne aufgeladen werden. Bei Dunkelheit und Flaute gehen ja sonst die Lichter aus.
Ja, und die elektrische Infrastruktur ist die kritischste, die wir haben und die wird auch immer wichtiger. Was passiert in Ballungszentren ohne Strom? Es gibt keine Wasser- und Abwasserversorgung, keine Kommunikation und in Zukunft auch keine Mobilität mehr. Um ein Chaos zu verhindern, muss die Architektur der Stromversorgung so gebaut werden, dass ich mit 30 Prozent des Stroms die elementaren Funktionen, die eine Katastrophe verhindern, erhalten kann. Die Klimaanlage werde ich dann aber nicht mehr einschalten können.

Für Graciosa haben Sie Szenarien simuliert. Taugen diese Erfahrungen auch für spätere Projekte in Deutschland?
Die grundsätzliche Aufgabenstellung ist doch die gleiche: Wenn insgesamt 80 Prozent der Stromversorgung von den Erneuerbaren kommen wird, so wie es die Pläne der Bundesregierung vorsehen, dann wird die Energiewirtschaft der Agrarwirtschaft immer ähnlicher. Ich kann ernten wenn es etwas zu ernten gibt. Und ich muss vorhalten für Zeiten, in denen es nichts zu ernten gibt. Sprich: Ich muss speichern, daran führt kein Weg vorbei. Wenn wir das Speichern nicht in den Griff kriegen, dann ist beim Aufbau der erneuerbaren Energieversorgung spätestens bei einem Anteil von 25 Prozent Schluss. Mehr geht einfach nicht mit der jetzigen Netzarchitektur.

DOKUMENT-NR. 86977

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