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BERLINER WIRTSCHAFT SEPTEMBER 2010

Auch die Wirtschaft muss zur Ausbildungsreife beitragen

Der Ausbildungsmarkt in Berlin verändert sich wie auch anderswo in der Bundesrepublik grundlegend. Demografisch bedingt sinken die Schulabgängerzahlen dramatisch, während immer noch viel zu viele Jugendliche die Schule ohne einen Abschluss verlassen und deshalb nicht ausbildungsreif sind. Dies wird in diesem Jahr dazu führen, dass viele der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Eine fatale Situation, denn wer heute keine Berufsausbildung beginnt, steht morgen nicht als Fachkraft zur Verfügung. Sowohl aus Sicht der Betroffenen als auch der Wirtschaft ist das eine schwierige Situation.

Ein ganz wesentlicher Ansatzpunkt zur Behebung dieser Misere ist sicherlich die Verbesserung der Ausbildungsreife. Es muss zum Normalfall werden, dass Jugendliche, die nach zehn Jahren die allgemeinbildende Schule verlassen, die Voraussetzungen für eine betriebliche Ausbildung mitbringen. Die Wirtschaft tut aus eigenem Interesse gut daran, die Schulen bei dieser Aufgabe zu unterstützen. In Berlin wurde mit der verbindlichen Einführung des Dualen Lernens eine gute Plattform dafür geschaffen. Die Titelgeschichte dieses Heftes zeigt auf, was genau sich hinter dem Dualen Lernen verbirgt und wie sich die Wirtschaft konkret engagieren kann.

Neben dem Engagement in den allgemeinbildenden Schulen sollten die Unternehmen aber auch ihre Anforderungsprofi le überprüfen, die vielfach noch aus den Zeiten eines großen Bewerberüberschusses stammen. Es gibt rund 350 duale Ausbildungsberufe, die in den Voraussetzungen, die ein Jugendlicher mitbringen sollte, stark variieren. Darauf sollten sich die Unternehmen besser einstellen. Auch der im Herbst dieses Jahres zur Verlängerung anstehende Ausbildungspakt auf Bundesebene muss sich des Themas Ausbildungsreife konkret annehmen. Er sollte künftig ein „Qualitätspakt“ sein. Eine große Chance besteht darin, die Bundesländer in die Pflicht zu nehmen, die anders als früher als Partner am Pakt beteiligt werden sollen. Auf diese Weise könnte Fehlentwicklungen entgegengewirkt werden, die durch die misslungene letzte Stufe der Föderalismusreform entstanden sind. Es ist die Bildungshoheit der Länder, die den bildungspolitischen Flickenteppich in Deutschland mit all seinen schädlichen Auswirkungen hervorgebracht hat. Jeder, der schon einmal mit schulpflichtigen Kindern einen Umzug innerhalb Deutschlands hinter sich gebracht hat, kann ein Lied davon singen. Die Föderalismusreform hat diesen Zustand durch das eingeführte Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern sogar noch zementiert. Über den neuen Pakt könnte nun der Versuch unternommen werden, sich dennoch auf ein abgestimmtes Vorgehen in den allgemeinbildenden Schulen zur Verbesserung der Ausbildungsreife zu verständigen.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, benötigen wir aber auch im Ausland ausgebildete Fachkräfte. Eine seriöse Analyse der Demografie-Daten lässt keinen anderen Schluss zu. Es ist deshalb gut, dass die politische Diskussion über eine gesteuerte Zuwanderung in jüngster Zeit wieder an Fahrt gewonnen hat. Sie muss zu einer deutlichen Erleichterung des Zuzugs von Hochqualifizierten führen. Der beste Weg zur Sicherung der Fachkräfte von morgen ist und bleibt aber die Duale Ausbildung unseres eigenen Nachwuchses!

Herzlichst Ihr Dr. Eric Schweitzer
Präsident der IHK Berlin

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