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BERLINER WIRTSCHAFT SEPTEMBER 2010
Schritt in die richtige Richtung
Wegweiser Schulstrukturreform: Wirtschaft und Schule müssen noch stärker vernetzt werden
| Claudia Keller, Rechtsanwältin und Mitglied der Wirtschaftsjunioren (Gastkommentarin) Foto: WJB |
Gestern noch das Ringen um ausreichend Lehrstellenplätze, heute die Suche nach ausbildungstauglichen Jugendlichen. Die Zeiten ändern sich rasant, und einzig nachhaltiges Handeln garantiert Deutschland weiterhin Wohlstand und wirtschaftlichen Erfolg.
Die Programme und Bemühungen um die Besetzung von Ausbildungsstellen sind vielfältig, die Wirtschaft trägt maßgeblich dazu bei. Die IHK Berlin bietet einen Service zur passgenauen Vermittlung sowie eine Ausbildungsplatzbörse. Viele Unternehmen stellen mehr Auszubildende ein als sie „müssten“, nehmen sich benachteiligter Jugendlicher an und finanzieren deren Nachhilfeunterricht. Auch die Agentur für Arbeit bietet Unterstützungsmöglichkeitenfür Jugendliche mit Defi ziten. Fakt ist: Die Maßnahmen können die Versäumnisse in der Schulbildung nicht oder nur teilweise und kostenintensiv abfangen. Doch es gilt, das Problem an der Wurzel zu packen.
Schulen müssen wieder Orte werden, die Zukunftsperspektiven für jeden Schüler eröff nen. Dazu müssen Schulen in die Lage versetzt werden, ihrem Bildungsauftrag eff ektiv nachzukommen: mehr Raum für Eigeninitiative, verbesserte Integrationsmöglichkeiten für Schüler mit Migrationshintergrund und die Aufwertung des Lehrerberufs sind nur einige der dringend notwendigen Änderungen.
Darüber hinaus brauchen wir eine stärkere Vernetzung zwischen Schule und Wirtschaft. Die Förderung des Dualen Lernens im Rahmen der Schulstrukturreform in Berlin ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Die Wirtschaftsjunioren Berlin machen es bereits seit vielen Jahren vor,engagieren sich in Bildungsprojektenan Berliner Schulen und treiben die Vernetzung von Schule und Wirtschaft voran. Hierzu zählen der bundesweite Schülerwettbewerb „Wirtschaftswissen im Wettbewerb“ und unsere Kampagne „Ich mach‘ mich selbstständig“ zur berufl ichen Orientierung für Berliner Schüler. Wir motivieren junge Berliner zu mehr eigenverantwortlichem Handeln und zeigen auf, welche Chancen die Selbstständigkeit bieten kann – als erste Alternative zur Festanstellung und nicht zur Arbeitslosigkeit. Erfreuliche Begleiterscheinung unserer Projekte ist, dass wir uns auch selbst als Führungskräfte weiterentwickeln. Lebenslanges Lernen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für unsere gesellschaftliche Zukunft in Deutschland.
Mit dem Dualen Ausbildungssystem haben wir ein anerkanntes und vorbildliches System in und für Europa und die besten Voraussetzungen, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Um unsere Gesellschaft für die Zukunft zu positionieren, ist es von besonderer Bedeutung, die Qualität der schulischen Bildung zu verbessern, sie den aktuellen Gegebenheitenanzupassen und dieAusbildungsreife der jugendlichen Schulabgänger zu erhöhen. Der Weg bleibt das Ziel und ist die Herausforderung der kommenden Jahre für Politik, Wirtschaft und unsere Gesellschaft.
Claudia Keller
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