IHK-Kriminalitätsbarometer

Mit dem Kriminalitästbarometer 2019 wurden die Unternehmerinnen und Unternehmer aus Berlin und Brandenburg zum siebenten Mal seit 2005 zum Thema Sicherheit und Kriminalität befragt. Das Thema hat an Aktualität nicht verloren. Nach wie vor ist Kriminalität ein ständiges Problem im unternehmerischen Alltag. Zu den direkten Folgen krimineller Handlungen zählen in der Unternehmerschaft neben Schäden und Aufwand für die Schadensbeseitigung sowie Unterbrechungen der betrieblichen Abläufe auch die allgemeine Verunsicherung.

Unternehmer sehen gesellschaftliche Probleme zunehmend kritischer

Der erste Themenblock behandelt Kriminalität und Sicherheit im Vergleich zu anderen Problemen der Gesellschaft. Die Fragestellung dient der Einordnung des Themas in einen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Kontext. Die Bedrohungsängste der Unternehmerinnen und Unternehmer ernst zu nehmen, ist ein zentrales Anliegen der Studie und der übergeordneten Arbeit der Industrie- und Handelskammern.
Zu den drei wichtigsten gesellschaftlichen Bedrohungen gehören aus Sicht der Unternehmen die Bereiche Kriminalität, Energieversorgung und Fachkräfte. Der zum Teil erhebliche Anstieg in fast allen Bereichen deutet auf eine stärkere allgemeine Verunsicherung der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg hin.

Belastung durch Hackerangriffe bleibt auf hohem Niveau – Diebstahl, Vandalismus und Einbruchdiebstahl nehmen leicht ab

Aus der Palette der Straftaten, von denen Unternehmen betroffen sind, ragen Diebstahl, Vandalismus/Sachbeschädigung, Hackerangriffe, Betrug und Einbruchdiebstahl heraus. Ein Viertel bis ein Drittel aller Unternehmer gab an, von diesen Delikten betroffen zu sein. Hervorzuheben ist die rasante Entwicklung der Hackerangriffe auf Unternehmen seit 2010, da mehr als eine Verdopplung der Angriffe registriert wurde.
Im Jahr 2010 gaben 11,9 % der Unternehmer an, Opfer eines Hackerangriffs geworden zu sein, im Jahr 2018 waren es bereits 28,4 %. Der Anstieg im Vergleich zum Jahr 2016 ist dagegen mit 1 % moderat ausgefallen - verfestigt damit aber das hohe Niveau.

Deutliche regionale Unterschiede bei der Kriminalitätsbelastung

Während Berliner Unternehmer am stärksten von Hackerangriffen, Einbruchdiebstahl und Betrugshandlungen betroffen waren, sahen sich Unternehmer aus Ostbrandenburg am stärksten mit Vandalismus und Diebstahlshandlungen konfrontiert.
Hervorzuheben ist die im Vergleich zu den anderen IHK-Bezirken geringe Belastung der Westbrandenburger Unternehmen (IHK-Bezirk Potsdam) mit den Straftaten Diebstahl, Vandalismus und Einbruchdiebstahl. Die Region verzeichnet bis zu 10 % weniger Straftaten in diesen Bereichen.

Höhere Kriminalitätsbelastung durch Mehrfachbetroffenheit

Schon in den Befragungen der Vergangenheit wurde deutlich, dass Unternehmer, wenn sie angaben, Opfer von Kriminalität geworden zu sein, oft eine Mehrfachbetroffenheit ihres Unternehmens verkraften müssen. Viele Unternehmer wurden innerhalb des Jahres 2018 nicht nur einmal Opfer einer Straftat, sondern gleich mehrmals.

Täter waren überwiegend betriebsfremde Personen

Wie schon in den Vorjahren kamen die Täter zum Großteil nicht aus dem unmittelbaren Unternehmensbereich. Mitarbeiter wie auch unternehmensnahe Partner genießen einen bestimmten Vertrauensstatus im Unternehmen und haben damit andere Zugriffs- und Verfügungsrechte – hierauf ist vor allem im Zuge der Digitalisierung besondere Aufmerksamkeit zu legen. Gut 10 % der Täter waren bei der schwersten Straftat, die angegeben wurde, Mitarbeiter und 3,4 % Partner des Unternehmens.

Dunkelfeld weiter auf hohem Niveau

Das Anzeigeverhalten der Bevölkerung und die Eigenermittlungen der Polizei werden durch die Kriminalstatistik erfasst. Die Polizei stellt darin die bei ihr angezeigten und bearbeiteten Straftaten zusammen. Die Kriminalstatistik ist demzufolge eine Hellfeldstatistik. Das Dunkelfeld wird als der Teil der Vorfälle bezeichnet, die von den Opfern nicht zur Anzeige gebracht werden.
Ob eine Straftat zur Anzeige gebracht wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Je nach Delikt, Schwere der Straftat, Vertrauen in die staatlichen Institutionen, Wahrscheinlichkeit der Täterermittlung und weiteren Umständen, wie beispielsweise den Anforderungen der Versicherer, bringen Betroffene eine Straftat zur Anzeige oder eben auch nicht.
Wird das Anzeigeverhalten der häufigsten Delikte (Einbruchdiebstahl, Diebstahl,
Sachbeschädigung und Betrug) analysiert, so fällt auf, dass - bis auf Einbruchdiebstahl - weit weniger als 50 % aller Straftaten angezeigt werden. Seit 2014 stagniert bei fast allen Straftaten die Rückläufigkeit des Anzeigeverhaltens. Im Vergleich zu den letzten Untersuchungen scheint der Abwärtstrend beim Anzeigeverhalten gebremst zu sein. Bis auf Einbruchdiebstahl und Diebstahl verharren die Quoten auf relativ geringem Niveau. Das bedeutet aber auch, dass das Dunkelfeld immer noch sehr hoch ist und viele Straftaten an der Wahrnehmung von Polizei und Staat vorbeigehen. Selbst bei schwersten Delikten wie Einbruchdiebstahl wird nur jede zweite Straftat angezeigt,
bei Vandalismus und Diebstahl sind es nur 30 % der Delikte, die angezeigt werden. Die Anzeigebereitschaft bei Hackerangriffen liegt immer noch weit unter 10 %.

Diebstahl und Einbrüche verursachen die größten Schäden

Der Schadensbegriff ist für die Opfer verschiedener Delikte nur schwer einheitlich zu definieren und zu kalkulieren. Die tatsächlichen Schadenshöhen können aus diesem Grund nur annähernd ermittelt werden. Oftmals bleiben bei der Bezifferung der Schäden in Unternehmen die Folgeschäden etwa durch Produktionsausfall oder auch durch die Weitergabe von Firmengeheimnissen unberücksichtigt. Demzufolge kann hier nur ein Überblick über die Entwicklung der Schadenshöhen gegeben werden.

Cyberkriminalität ist für mehr als die Hälfte der Unternehmen eine ernstzunehmende Bedrohung

Weit über 60 % aller Unternehmerinnen und Unternehmer halten Cyberkriminalität für bedrohlich oder sehr bedrohlich. Mit Blick auf ihr eigenes Unternehmen erkennen die meisten Unternehmer damit die Gefahr, die durch Cyberangriffe entstehen kann. Da die Angriffsflächen durch die Digitalisierung für jedes Unternehmen größer werden, müssen entsprechende technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen aufgesetzt bzw. regelmäßig überarbeitet werden.
Unternehmerinnen und Unternehmer hatten bei der letzten Frage die Möglichkeit, ihre Sicherheitsmaßnahmen per Schulnote zu bewerten. Lediglich 40 % der Befragten beurteilen dabei ihre eigenen Sicherheitsmaßnahmen als gut bzw. sehr gut. Knapp 60 % der Befragten geben ihren Sicherheitsvorkehrungen damit schlechtere Noten (ungenügend bis befriedigend). Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch Unternehmen mit relativ guten Bewertungen ihrer Sicherheitsmaßnahmen Opfer von Cyberkriminellen werden können. Denn eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.
Zielstellung 
  • Beitrag zur Versachlichung der politischen Diskussion zum Thema Kriminalität in Berlin und Brandenburg
  • Indikator für die Belastung der Unternehmerschaft mit Kriminalität (= weicher Standortfaktor)
Vorgehensweise
  • Vergleichende (zweijährige) Langzeitstudie seit 2005 zur Kriminalitätsbelastung und zum Anzeigeverhalten
  • Repräsentative Dunkelfeldbefragung im Rahmen der IHK-Konjunkturumfrage (Frühjahr 2019)
  • Beteiligung von 1.624 Unternehmen aus den IHK Bezirken Berlin, Cottbus, Ostbrandenburg und Potsdam
  • Befragung wurde 2019 um zwei neue Fragestellungen zur Cyberkriminalität erweitert
IHK-Aktivitäten
  • Zweijährliche Veröffentlichung des Kriminalitätsbarometers Berlin-Brandenburg
  • Zusammenarbeit mit Politik und Sicherheitsbehörden im Rahmen landespolitischer Sicherheitspartnerschaften
  • Unterstützungsangebote für Information, Sensibilisierung und Vernetzung
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