100 Jahre für die Ausbildung

Vor 100 Jahren, am 1. Oktober 1912, richtete die „Korporation der Kaufmannschaft von Berlin“ an ihren Schulen die ersten drei Fachklassen für Versicherungskaufleute ein. Es war die Geburtsstunde des heutigen „OSZ Banken und Versicherungen, Berlin“. Mit diesen Worten eröffneten die Moderatoren Pia Wandscheer und Christopher Habon, beides Auszubildende am OSZ, die Festveranstaltung und begleiteten die Gäste durch die Geschichte der Schule.
Als 1920 die „Korporation“ in der Industrie- und Handelskammer zu Berlin (IHK) aufging, übernahm die IHK auch die mittlerweile entstandene „Versicherungs- Fachschule“. Diese hatte damals mit fast 1000 Schülern eine beachtliche Größe erreicht. 1927 wurde aufgrund einer Vereinbarung mit der Stadt Berlin eine „Schule für das Bankgewerbe“ nach dem Vorbild der „Versicherungs-Fachschule“ von der IHK gegründet. Beide Schulen wurden 1936 zu einer „Berufsschule für das Bank- und Versicherungsgewerbe“ zusammengeführt.
Die Teilnahme an den 1929 eingeführten Abschlussprüfungen der IHK war zunächst noch freiwillig, erst 1938 wurden diese verpflichtend, nachdem die Ausbildung im Kredit- und Versicherungsgewerbe durch Lehrvertragsmuster und Ausbildungsordnungen einheitlich geregelt wurde. Der Englischunterricht wurde bereits 1927 als Pflichtfach eingeführt. Um die Schüler zu guten Leistungen in diesem Fach zu motivieren, bot die IHK schon in den dreißiger Jahren die Möglichkeit der Qualifikation in einer „Sprachprüfung für Bankgehilfen“.
Fremdsprachen spielten schon früher eine große Rolle bei Bank- und Versicherungskaufleuten. Dieser Bereich wurde konsequent ausgebaut. Heute wird neben Englisch und Französisch in der Schule auch Spanisch, Russisch und Japanisch angeboten. In den vergangenen 100 Jahren haben viele Tausende Auszubildende des Bank- und Versicherungsgewerbes die Schule besucht und die Lehrabschlussprüfung der IHK erfolgreich absolviert.
Das derzeitige Bildungsangebot des OSZ umfasst viele unterschiedliche Bereiche. Neben der Berufsschule für Bank- und Versicherungskaufleute bietet die Schule sowohl eine einjährige (berufsvorbereitende) Berufsfachschule als auch eine dreijährige kaufmännische Berufsfachschule (mit IHK Abschluss zum/zur Bürokaufmann/-frau) an. Mit dem Weiterbildungsangebot der „Europäischen Wirtschaftsfachschule – Finanzwirtschaft (EWF)“ haben Studierende in einem sieben Semester umfassenden Studiengang in Abendform die Möglichkeit, den Abschluss „Staatlich geprüfter Betriebswirt/ staatlich geprüfte Betriebswirtin“ zu erlangen.
In den Festansprachen während der Feierlichkeiten betonte Bildungsstaatssekretär Mark Rackles die Bedeutung der Oberstufenzentren. Jan Eder, der Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, gratulierte mit dem Hinweis, wie wichtig den Berliner Banken und Versicherungen eine gute Ausbildung ihrer Mitarbeiter schon seit 100 Jahren sei und lobte dabei das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv, das mit dem Projekt „Lernen für die Zukunft aus der Wirtschaftsgeschichte“ den Unterricht lebendig macht und die Schule beim Erstellen einer Chronik unterstützt.
Peer Steinbrück mahnte in seiner Festansprache eindringlich, den angehenden Bankern angesichts der derzeitigen Finanzlage bereits in ihrer Ausbildung Werte und Bewusstsein für die Notwendigkeit balancierter Märkte zu vermitteln. Musikalisch begleiteten die Schülerinnen und Schüler des Musikgymnasiums Carl Phillip Emanuel Bach den Festakt. sbt/bl
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