Alle Industriegebiete brauchen das Interesse der Politik

Eine dynamische Start-up-Szene, innovative Dienstleister und eine wettbewerbsfähige Industrie bilden die wirtschaftlichen Säulen Berlins. Die Industrie wird zu Teilen in Branchen-Clustern und in eine kleine Zahl von „Zukunftsorten“ eingeordnet. Berlin besteht aber aus vielen bedeutenden Industriestandorten, die nicht alle die Aufmerksamkeit der Politik gefunden haben. An einigen dieser Standorte haben die Unternehmen sich in Netzwerken organisiert, um eine Perspektive für ihren Standort zu entwickeln. Lokale Vernetzung schafft neue Geschäftsmöglichkeiten, verbessert über den Know-how- Austausch die Wettbewerbsfähigkeit und sorgt für positive Impulse. Was das einzelne Unternehmen nicht schafft, kann gemeinsam gelingen.
Eine Stärke der Netzwerke: Hier arbeiten Menschen verschiedenster Fachrichtungen, hier werden neue Jobs geschaffen. Möchte man die sinkende Arbeitslosenquote fortschreiben, ist es wichtig, auch für die traditionellen Gewerbegebiete die Entwicklungschancen verstärkt zu prüfen.
Die Netzwerke selbst stoßen aber spätestens bei Fragen der Infrastruktur an ihre Grenzen. „Das Bewusstsein für die spezifischen Standortanforderungen von Industrieunternehmen soll alle Ebenen von Politik und Verwaltung leiten“ hieß es im Masterplan Industrie von 2010. Weiter: „Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik richten ihren Fokus gezielt auf die Weiterentwicklung der Industriestadt Berlin“. Ich wünsche mir, dass sich die Politik an ihre Versprechen erinnert. Im Sinne einer zukunftsgerichteten Entwicklung der Industrie halte ich es für geboten, den Industriegebieten ein transparentes Branchenprofil zu geben und Infrastrukturmaßnahmen zu diskutieren. Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Start-ups und traditionellen Unternehmen kann für weitere Belebung sorgen. Das wäre ein sichtbares Zeichen für „mehr Industrie“ in Berlin.
Ulrich Misgeld
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