Universitäre Vielfalt verleiht der City West Potenzial

Der Universitätsstandort in der City West ist so vielfältig wie sein Umfeld. Seit mehreren Jahren arbeiten die Universitäten und der Bezirk Charlottenburg- Wilmersdorf an der gemeinsamen Standortentwicklung. Sie haben das Areal zu einer Marke entwickelt und ihm ein Profil gegeben. Neben der herausragenden technischen und künstlerischen Ausbildung stellen strategische Vernetzungen zur Spitzenforschung und zur wissensbasierten Produktion die Grundbausteine des Erfolgs dar.
Seit im Januar 2011 die Präsidenten der Technischen Universität Berlin und der Universität der Künste Berlin sowie der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg- Wilmersdorf die Marke Campus Charlottenburg „The art of ideas“ ins Leben gerufen haben, hat sich viel getan. In einem aktiven Prozess der Annäherung und Neudefinition hat sich aus der Nachbarschaft eine institutionelle und persönliche Kooperation herausgebildet. Auf dem über 100 Jahre gewachsenen Bildungs- und Forschungsstandort gab es vereinzelte Kooperationen, institutionelle Kontakte waren jedoch eher projektbezogen und punktuell.

Identifikation mit dem Standort

Ziel der neuen Kooperation ist es, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, die Identifikation mit dem Standort zu stärken und das als verschlossen wahrgenommene Universitätsareal zur Stadt zu öffnen. „Der Campus Charlottenburg ist ein wesentlicher Bestandteil der City West. Er ist heute ein wichtiges Bindeglied auf der Achse zwischen Wittenbergplatz, Hardenbergplatz und dem Ernst-Reuter-Platz. Dieses Gebiet gilt es in Zukunft noch stärker als eine Einheit zu betrachten, in der jeder seine Stärken für die City West ausspielt“, erläutert Dr. Marion Haß, Geschäftsführerin Wirtschaft & Politik der IHK Berlin.
Die unterschiedlichen Player auf dem Campus stärken ihre fachlichen Kooperationen und Netzwerke seit der Einführung des jährlich an verschiedenen Orten stattfindenden Campus-Empfangs. Zu den drei Gründern der Marke gesellen sich seit 2016 neun weitere regional ansässige Institutionen in einem Kooperationskreis. Diese sind das Charlottenburger Innovationszentrum CHIC, die Deutsche Oper Berlin, das Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, das Heinrich- Hertz-Institut (HHI), die IHK Berlin, das Museum für Fotografie, die Physikalisch- Technische Bundesanstalt, die Telekom Innovation Laboratories (T-Labs), die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH sowie der Zoologische Garten Berlin.

Direkte Gespräche bringen Klarheit

Im Kooperationskreis werden Gemeinsamkeiten ausgelotet, Projektinformationen ausgetauscht, Standortvorteile geteilt und z.B. Herausforderungen der Digitalisierung diskutiert. Insbesondere in direkten Gesprächen werden die Berührungspunkte zwischen Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft deutlich. Dies lässt die Nachbarn zu Partnern zusammenwachsen und schafft ein gemeinsames Bewusstsein für die Qualitäten des Standorts. Dies bestätigt etwa der Geschäftsführer der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, Dr. Werner Wilke: „Wir arbeiten im Wissenschafts-, Bildungsund Forschungsmanagement. Die Nähe zu Wissenschaft und Kreativität, die der Campus Charlottenburg bietet, beflügelt unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gibt uns wertvolle Impulse für unsere Arbeit. Von den Universtäten und Instituten konnten wir auch viele neue Mitarbeiter gewinnen.“
Konsens ist, dass alle Kooperationspartner von der Urbanität und Vielfalt, dem breiten kulturellen Angebot und der unmittelbaren Nähe zu Talenten und Ideen der Berliner City West profitieren, so auch die Deutsche Oper, deren Intendant Dietmar Schwarz anmerkt: „Die Deutsche Oper Berlin als einer der kulturellen ,Leuchttürme‘ der Stadt dürfte in der Runde der Campus Charlottenburg-Anrainer eher als Paradiesvogel erscheinen.“ Dennoch freue man sich auf Austauschmöglichkeiten mit Partnern aus ganz anderen Wissensgebieten. „Jenseits der Universität der Künste, mit der wir schon auf verschiedenen Gebieten zusammenarbeiten, gibt es da noch viele Entwicklungsmöglichkeiten.“
Die interessante Geschichte und die Besonderheiten des ca. 150 Hektar großen innerstädtischen Campus stehen nicht zwangsläufig im Fokus der Menschen dort. Um bei den über 10.000 wissenschaftlichen Mitarbeitern und über 42.000 Studierenden das Interesse für ihr Umfeld zu wecken, hat das Regionalmanagement City West drei Campustouren im Hosentaschenformat erstellt. Diese bieten Informationen über Stadtgeschichte, Architektur und Kultureinrichtungen. Von diesem Frühjahr an informieren die drei Faltpläne über den Campus Charlottenburg. Zwei Rundgänge und eine Fahrradtour zeigen die Vernetzung mit dem historischen Siedlungskern in Charlottenburg und dem Tiergarten im Bezirk Mitte. Thematisch werden die Stadtentwicklung des 19. Jahrhunderts, Nachkriegsarchitektur, Landschaft und die Nachhaltigkeit im Städtebau der Zukunft aufgegriffen.
Wer sich auf eine Campustour begibt, merkt, welche innerstädtischen Lagevorteile dieser Standort in sich vereint. Man findet das Urbane einer Metropole, die Ruhe des Tiergartens und die Wasserlagen an Spree und Landwehrkanal. Dass sich auf engem Raum Arbeiten, Wohnen, Kultur und Natur verbinden, macht den Charme aus. Hier lassen sich die Stadtgeschichte Berlins und die Arbeit der regionalen Akteure an der Zukunft der Wissensgesellschaft ablesen.
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